Sonstiges Zeugs
Kommentare 3

Angst davor, Angst zu haben.

Vor ein paar Jahren wurde bei uns eingebrochen. Am Schlimmsten daran war nicht der gestohlene Schmuck, auch wenn mein Hochzeitsgeschenk von davednb dabei war. Auch nicht mein Laptop. Das lässt sich alles wieder einigermaßen ersetzen. Auch nicht die Tatsache, dass Fremde meine Klamotten durchwühlt haben – das war mir sogar ziemlich egal. Am Schlimmsten fand ich die Angst davor, künftig immer Angst zu haben, wenn ich allein bin. Oder Angst, dass so etwas nochmal passiert, vielleicht auch mit schlimmeren Ausmaßen. Zum Glück kam es nicht so. Ich gehe heute genauso unbeschwert aus dem Haus wie früher und komme auch immer wieder unbesorgt zurück. Manchmal kommt die Erinnerung an den Anblick der eingeschlagenen Terrassentür wieder hoch. Aber doch ganz selten.

Vor drei Jahren starb meine Schwester. De facto starb sie, weil sie Angst hatte, zum Arzt zu gehen. Sie ahnte, dass etwas nicht in Ordnung war, aber aus lauter Angst davor, ging sie nicht zum Arzt, der ihr möglicherweise noch hätte helfen können. Der Gedanke, wie viel ihr aus Angst entgangen ist, macht mich heute immer noch fassungslos.

Ich habe in meinem Leben selber viel zu viele Dinge anders gemacht, als ich es ohne Angst vor den Konsequenzen getan hätte. Und auch heute noch kommt es vor, dass mich Angst hemmt, Dinge so zu tun, wie ich das eigentlich gerne möchte.

Wenn ich jetzt höre und lese, was letzte Nacht in Paris passiert ist, habe ich nicht nur für mich selber, sondern für uns alle Angst, dass wir in der Folge Dinge tun oder lassen, die wir ohne diese Angst nicht tun oder lassen würden. Dass aus Angst Diskussionen über die Vorratsdatenspeicherung befeuert werden. Dass aus Angst die Flüchtlingsdiskussion noch stärker in die für mich falsche Richtung läuft. Dass wir uns aus Angst einschließen und zurückziehen. Aus Angst Fremdes ablehnen. Ich habe Angst davor, Angst zu haben. Ich will das nicht. Weil aus Angst selten etwas Gutes passiert. Weil Angst nie ein guter Ratgeber ist.

Die besten Dinge haben sich in meinem Leben immer dann ereignet, wenn ich nicht auf meine Angst gehört und mich nicht von ihr habe beeinflussen lassen. Das will ich daher ganz fest im Gedächtnis behalten. Auch weil @das_kfmw unbedingt Recht hat:

====
Hier könnt ihr diesen Beitrag in anderen sozialen Netzwerke teilen:

3 Kommentare

  1. Teilzeitborussin sagt

    Daher hat der Terrorismus ja den Namen. Weil sein Ziel nicht einfach das Töten ist. Sondern Angst zu schüren. Aus der heraus man sich anders verhält als vorher. Die eigene Verwundbarkeit akzeptieren und angstfrei weiterleben, das ist die Herausforderung. Ich wönsche dir, mir und uns allen viel Erfolg dabei.

  2. Pingback: 2016 – in Euren Worten – juna im netz

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.