Essen, Kölsches
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Es ist Sommer ….

Und damit wieder Zeit für den Summer of Supper im Marieneck. Auch dieses Jahr hatte ich das Vergnügen, mit davednb dabei zu sein, wir hatten gleich für zwei Abende Tickets ergattert. Terminbedingt war die Auswahl ein wenig eingeschränkt, aber wir haben definitiv zwei schöne Veranstaltungen erlebt.

Meine Twitter-Timeline hatte ich schon mal vorgewarnt, dass die nächsten Tweets verstärkt mit Essen zu tun haben könnten.

Der 1. Abend wurde von Sarah und Schelli ausgerichtet. Schelli und sein tolles Brot hatten wir letztes Jahr schon kennengelernt, dieses Mal sollte es jeden einzelnen Gang begleiten. Sarah kannten wir noch nicht und wie sie uns hinterher erzählte, war es ihr 1. Supperclub. Von Nervosität haben wir allerdings nichts bemerkt, der ganze Abend verlief wunderbar entspannt.

Offensichtlich waren davednb und ich die einzigen Twitterer/Blogger. Zumindest hatten wir als Einzige das Smartphone auf dem Tisch liegen und machten Essensfotos.

Das Essen begann mit unterschiedlichen Brioches, dazu gab es drei verschiedene Dips: Tomate-Rosmarin, Hummus, Rhabarber-Feige-Birne, außerdem grob gesalzene Butter. Das ging ja schon mal gut los. Auch wenn ich kein großer Fan von Orangeat bin und mich daher mehr an das orangeat-freie Brioche hielt, aß ich schon beim Gruß aus der Küche tendenziell zuviel. Die Speisen kamen alle in großen Schüsseln, auch das Brot, und die Dips standen in hübschen Gläsern auf den Tischen verteilt, ein wie ich fand schönes Detail, da es durchaus ein kommunikatives Element ist, wenn man sich gegenseitig die Schüsseln anreicht und das Essen miteinander teilt.

Als 1. Vorspeise gab es verschiedene orientalisch-mediterrane Salate: einen Linsensalat, ungewöhnlich angerichtet und gewürzt mit Rosinen, Kapern, Zwiebeln, Kreuzkümmel und Cayennepfeffer. Toll! Geschmacklich mein Favorit, die größere Überraschung war allerdings der Brokkolisalat. Brokkoli (wie übrigens auch Romanesco, behaltet das mal im Kopf) gehört für mich zu den wenigen Gemüsesorten, die meiner Meinung nach komplett überflüssig sind. Weil sie einfach total langweilig schmecken und dabei auch noch hässlich aussehen. Umso überraschter war ich, wie gut der rohe (!) Brokkolisalat schmeckte. Durch die Rosinen bekam er eine sehr interessante Note und selbst davednb, der normalerweise nichts mit Rosinen isst, war sehr angetan. Da schaffte es der Fenchel-Bohnen-Salat leider kaum noch, meine Aufmerksamkeit zu erregen, der blieb hinter seinen beiden Kollegen geschmacklich dann doch etwas zurück. Das französische Landbrot schmeckte aber zu allen Dreien ausgezeichnet. Und weil das Landbrot so toll war, gab es anschließend gleich noch eine Scheibe mit der salzigen Butter hinterher. Ein Fehler, ich wusste es. Aber zumindest ein sehr leckerer :-)

Eigentlich wäre es ein vegetarisches Menü gewesen, das Sarah da für uns gekocht hatte. Zwischendurch wurden aber immer wieder Platten mit leckerem Pastrami, Coppa und einem feinen Schinken serviert. Konnten die Vegetarier natürlich weglassen, wäre aber sehr schade gewesen!

pastrami

Als nächstes wurde eine Erbsen-Kokos-Suppe serviert, die dekorativen Blümchen aß man einfach mit. Sah sehr hübsch aus und schmeckte herrlich frisch, sehr passend bei den Temperaturen am Wochenende. Das dazu gereichte Roggenbrot ging neben der Suppe allerdings bei mir ein wenig unter. Vielleicht aber auch nur, weil mich Roggenbrot generell nicht so sehr fasziniert, auch wenn Schelli ganz begeistert von den verschiedenen Mehlen und Zubereitungsformen erzählte.

Bei der Focaccia, die mit dem nächsten Gang kam, griff ich dagegen wieder mehrmals zu, die fand ich toll und sie passte sehr schön zu dem leuchtend gelben Romanesco(!)-Kichererbsen-Curry. Romanesco – ihr erinnert euch? Ich hätte den gerne etwas weniger rustikal geschnitten gehabt, aber ansonsten gab es an diesem komischen Un-Gemüse in dem Curry überhaupt nichts zu meckern, das war sehr lecker! Es begeistert mich immer wieder aufs Neue, wenn ich Zutaten, die ich eigentlich nicht besonders mag, in einer bestimmten Zubereitung plötzlich gut finde. Ich sehe davednb schon vor meinem geistigen Auge, wie er beim Gemüsehändler Romanesco und Brokkoli einkauft – das muss man ja auch erst einmal hinbekommen :-)

Über den eigentlichen Nachtisch kann ich jetzt selber gar nicht groß erzählen. Ich war vom vielen Essen, Nachnehmen und Wein trinken schon so fertig, dass ich nichts mehr essen wollte. Auf das Semifreddo mit kandierten Walnüssen und Schokolade verzichtete ich gern, da ich Walnüsse wirklich nicht mag (ich merke gerade, dass es bei diesem Supperclub total viele Sachen gab, die ich eigentlich nicht gerne esse, war aber egal). Außerdem war ich komplett mit dem fantastischen Sherry beschäftigt, den meine nette Nebensitzerin mit mir teilte. Der schmeckte so unglaublich gut, dass ich beim Dessert ausnahmsweise mal vom begleitenden Getränk einen Nachschlag ordern musste.

Am Ende des Tages fiel ich nur noch wie ein Stein ins Bett. Das Essen so anstrengend sein kann … :-)

brotsymbolbild

Brotsymbolbild

Was mir gut am 1. Supperclub gefiel, war die persönliche Atmosphäre, die Sarah und Schelli verbreiteten, es machte Spaß, sich mit ihnen zu unterhalten und beim Kochen ab und zu mal in die Töpfe zu schauen. Der 2. Supperclub am Tag darauf wirkte im direkten Vergleich schon deutlich professioneller und routinierter, aber das machte für mich auch durchaus den Charme des 1. Abends aus. Und vielleicht verrät Sarah mir ja auch noch das ein oder andere Rezept :-)

Mit Norden aus Berlin ging es am nächsten Abend weiter, ein wieder ganz anderer Supperclub mit deutlich höherer Bloggerdichte und auch einigen bekannten Gesichtern.

Den Gruß aus der Küche knabberte ich noch etwas gedankenlos weg; ich ärgerte mich ein wenig, dass der Platz neben mir leer blieb, da sich einzelne Gäste lieber zu bekannten Leuten an die Stirnseiten der Tische setzten anstatt zwischen die unbekannten Gäste. Das passierte an beiden Abenden, was ich sehr schade fand, da wurde das Prinzip Supperclub offensichtlich nicht wirklich verstanden. Ein freier Stuhl zwischendrin schränkt die Unterhaltung von vorne herein etwas ein.

Aber schon beim 2. Gang widmete ich mich voll und ganz dem Essen, denn der war ein absoluter Hammer! Stand da auf der Karte noch relativ belanglos „Matjes, Kartoffeln, braune Butter, Schnittlauchcreme und eingelegte rote Zwiebel“ fand ich auf meinem Teller eine bunte Kreation, die nicht nur sehr hübsch anzusehen, sondern auch noch ausgesprochen köstlich war. Kann man Matjes nicht immer so zubereiten? Von mir aus hätte die Portion deutlich größer sein dürfen :-)

matjes

Als nächstes gab es einen Lachs-Flusskrebs-Tartar mit Vaesterbottencreme aus einem schwedischen Käse, Brotkrumen und Dillkronen. Auch sehr fein. Aber nicht so fein wie der Matjes. Ich bin mir allerdings bis heute mit davednb uneinig, was nun wirklich die bessere Vorspeise war („Der Matjes! – NEIN! Der TARTAR!! – MATJES!!1!“ usw.).

Auf jeden Fall war ich über die beiden Vorspeisen schon so happy, dass die nächsten zwei Gänge fast zwangsläufig etwas abfielen – das war auch kaum zu toppen. Zuerst kam ein sogenannter Swesar Salad, ein schwedischer Salat, der interessanterweise leicht angebraten war. Ich war so beschäftigt mit der ungewöhnlichen Textur der knusprigen Salatblätter, dass ich die fehlende kross gebratene …. (Hähnchen? Enten? Hab ich vergessen, aber ich hatte ja auch leider keine auf meinem Teller) Haut überhaupt nicht bemerkte. Faszinierend, auf welche neuen Ideen man auch beim Kochen immer noch kommen kann. Salat anzubraten wäre mir selber nie in den Sinn gekommen, es schmeckte aber ausgefallen und fein.

Der nächste Gang bestand fast ausschließlich aus Pilzen, so dass ich hier als ausgesprochen kritischer Pilzesser (eigentlich mag ich tatsächlich nur Trüffel, die aber sehr gerne) kein objektives Urteil abgeben kann, das Gericht war einfach nicht meins.

Dafür begeisterte mich der nächste Gang wieder sehr. Vielleicht kein besonders ausgefallenes Gericht, aber ich mag Ente ausgesprochen gerne und in der Kombination mit den verschieden zubereiteten Möhren – als Püree, gebraten, eingelegt und getrocknet – fand ich sie toll. Hätte ich ebenfalls sehr gerne mehr von gegessen. Und Dill scheint irgendwie Trendkraut zu werden, der war fast überall dabei. (Note to myself: Dill anpflanzen. Ich hab noch keinen).

entenbrust

Während ich am 1. Abend beim Dessert ja übel schwächelte, war ich diesmal vorsichtiger, denn der Nachtisch klang vielversprechend: Lakritzcreme, Schokocreme, Himbeeren und Schokocrumble. Die Lakritzcreme kostete ich zwar ausgesprochen misstrauisch, da ich Lakritz in jeder Form verabscheue. Aber die Creme war lecker und hatte überhaupt nicht diesen penetranten Geschmack, wie ich ihn eigentlich von allem Lakritzartigen kenne. Das Dessert war toll. TOLL! Und auch davon hätte ich gerne mehr gehabt :-) Immerhin gab es von der feinen Schokocreme für jeden einen kleinen Nachschlag.

himbeersorbet

Eigentlich würde ich ja auch noch gerne etwas zu den Weinen schreiben, über die Paul so viel Interessantes erzählt hat. Und über dieses ungewöhnliche VonFreude-Bier. Und von Marco und seinem schönen Marieneck mit den tollen Helferinnen, die alle zusammen dafür sorgen, dass jeder Abend ein Erlebnis wird. Aber vielleicht möchtet ihr euch einfach ein eigenes Bild vom Summer of Supper machen. Für die kommenden drei Veranstaltungen sind noch Plätze frei. Geht da hin und lasst euch fein bekochen –  es lohnt sich!

Stephanie hat ebenfalls ein paar Zeilen geschrieben und schöne Fotos gepostet. Weitere tolle Fotos findet ihr sicher auch bald bei culinarypixel, die übrigens nächstes Wochenende mit ihrem Vater selber im Marieneck am Herd steht. Es gibt noch Tickets :-)

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2 Kommentare

  1. Hey,

    schöner Bericht. Zwei Details noch:

    Ich lege zum einem großen Wert auf die Feststellung, am Kopfende gesessen (und schon vorher organisiert) zu haben, weil ich den Hund dabei hatte…

    …und zum anderen was das fehlende Haut-Dingsi aus Lachs…

  2. Oh, dich meinte ich tatsächlich nicht :-) Dein Hund hätte ja prinzipiell gerne neben mir sitzen können, aber mit mir unterhalten hätte er sich auch nicht ;-)

    Das Lachsdings hätte ich natürlich auch gerne probiert, aber leider viel zu spät realisiert, dass es fehlte. Egal. Lecker war’s!

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