Kölsches
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Lesen, lesen, lesen!

Die letzten Tage war ich auf verschiedenen Literaturveranstaltungen, teilweise im Rahmen der LitCologne, teilweise bei zusätzlichen Veranstaltungen, da die Tickets für die LitCologne wie jedes Jahr wieder ganz fix ausverkauft waren.

So beispielsweise auch für das Live-Hörspiel Paul Temple und der Fall Gregory mit Bastian Pastewka – mein Highlight bisher. Die LitCologne-Veranstaltung war umgehend ausgebucht, aber für die Zusatzveranstaltung bekamen wir noch Tickets. In Bergheim. Da war ich noch nie und so schnell komme ich da vermutlich auch nicht wieder hin.

Auf sehr unterhaltsame und skurrile Art und Weise wird ein seit der Erstaufführung verschollener Durbridge-Krimi als Hörspiel wiederaufgeführt unter Verwendung damals üblicher Requisiten: knarzende Türen, Gläserklirren, Kisten zum Nachstellen von Schritten, Zeitungsrascheln, Autogeräusche etc., die von den Darstellern selbst erzeugt werden, zwischendurch immer wieder kommentiert durch Pastewka und seine vier Mitstreiter (leider in der Zusatzveranstaltung ohne Anke Engelke, aber trotzdem großartig). Es wird diskutiert und gestritten, wer nun eigentlich der bessere Paul Temple wäre.  Ein sehr unterhaltsames, schön schräges Stück, für das sich auch die Fahrt nach Bergheim durchaus gelohnt hat :-)

Die Lesung von Mark Benecke Gerüche & Leichen im Kölner Gloria stellte ein ziemliches Kontrastprogramm dazu dar, ist aber nicht weniger empfehlenswert. Der Kriminalbiologe, der auch für Die Partei als Kölner Oberbürgermeister kandidiert, erzählte auf kurzweilige Art und in einem unglaublichen Tempo von seiner Arbeit: der Analyse von Maden, Blutspuren, Fliegen und Ähnlichem auf menschlichen Leichen, um damit Verbrechern auf die Spur zu kommen. Dabei bekommt man auch schon mal stark verweste Leichenfotos zu sehen. Also nichts für zarte Gemüter, Interessierten dagegen kann ich diese Lesung durchaus ans Herz legen.

Unterhaltung pur war für mich die Zusatzveranstaltung Habe Häuschen mit Roger Willemsen und der wunderbaren Katrin Bauerfeind im Tanzbrunnen. Im Rahmen eines witzigen wechselseitigen Dialogs lesen die beiden echte, sehr bizarre Kontaktanzeigen vor und kommentieren diese auf sehr komische Art und Weise.

Ich habe viel gelacht und den Nachmittag trotz der ordentlichen Preise im Tanzbrunnen sehr genossen.

Abends fand noch der Köln-Abend mit Mariele Millowitsch und Joachim Król, den Puppenspielerinnen Suse Wächter und Ruth Marie Kröger sowie den Musikern Gerd Köster, Frank Hocker und Helmut Kumminga im Musical-Dome statt. Immer abwechselnd wurden von den beiden Schauspielern Texte über Köln gelesen, von den Puppenspielerinnen Szenen über die  Kölner Gründungsgeschichte aufgeführt und von den Musikern Kölsche Lieder gespielt. Eigentlich ein schöner Gedanke, ich mag ja Köln sehr und hatte mich daher auf diese Veranstaltung besonders gefreut. Leider hat sie mich in der Umsetzung nicht so ganz begeistert, es fehlte mir die Interaktion mit dem Publikum. Stattdessen wurden einfach die – für meinen Geschmack nicht besonders gut gewählten – Texte vorgelesen, etwas zusammenhanglos kam mir das Puppenspiel vor und fast am besten gefiel mir noch die Musik. Gut zum Thema passend fand ich, als zwischendurch einer der Musiker dem Sänger Gerd Köster mit einer wortlosen Geste das eben erzielte 0:0 beim FC-Spiel gegen den BVB signalisierte. Das ist für mich typisch Köln.

Nächste Woche geht das LitCologne-Programm weiter: Mit dem kulinarischen Quartett, Onno Viets und Yvonne Hofstetter mit einer Lesung über Big Data. Ich freu mich!

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