Essen
Schreibe einen Kommentar

Himmel & Ääd – leicht abgewandelt

Wie es sich für Schwaben – echte oder in meinem Fall zugereiste – gehört, hatten auch meine Eltern lange Zeit ein eigenes Baumgrundstück und demnach immer jede Menge Äpfel im Keller. Der eine Teil davon wurde gegen Apfelsaft eingetauscht, aus dem anderen Teil machte meine Mutter Apfelmus. Das weltbeste Apfelmus, ich habe noch nie besseres gegessen. Als kleines Kind war mein Repertoire an Speisen, die mir schmeckten, sehr übersichtlich, aber ich hatte für alles eine perfekte Notlösung: Was ich nicht mochte, wurde unter einem großen Berg Apfelmus versteckt. So ließ sich plötzlich auch Rosenkohl essen. Dadurch begünstigt hatte meine rheinische Mutter keinerlei Schwierigkeiten, mir einen ihrer Kindheitsklassiker näher zu bringen: Himmel & Ääd aß ich ganz von alleine, ich war quasi ein Naturtalent im Himmel & Ääd essen.

Eine etwas modernisierte Fassung davon fand ich nach vielen Jahren erst bei Buddenbohm und Anke bzw. in meinem schon öfter zitierten Lieblingsbuch Deutschland vegetarisch wieder, was ich auch schon mal anlässlich des Besuchs meines plötzlich vegetarischen Patenkinds berichtet hatte.

Bei uns gibt es dieses Gericht immer in einer leicht abgewandelten Variante: Mit Fleisch. Genauer gesagt mit Bratwurst. Ok, echter wäre natürlich mit Blutwurst. Daran arbeiten wir noch. Aber mit Bratwurst ist es wirklich saulecker.

Und es ist auch ganz leicht zubereitet.

Zunächst setzt man die Kartoffeln für den Kartoffelstampf auf. Für 4 Personen braucht man je nach Hunger ca. 800 gr mehlig kochende Kartoffeln. Ich schäle diese immer vor dem Kochen, kenne aber auch die im Buch beschriebene Variante, bei der man die Kartoffeln mit Schale kocht und anschließend pellt. Die Kartoffeln vorher zu schälen finde ich allerdings deutlich entspannter. Gekocht wird in ordentlich Salzwasser, die Kartoffeln dürften so gute 20 Minuten brauchen, bis sie weich genug sind für das Püree.

In der Zwischenzeit kann man sich dem Himmel-Teil des Rezepts widmen – dem Zwiebel-Apfel-Zeugs.

Nach dem Rezept werden 4 Zwiebeln in Achtel geschnitten. Ich habe mich zum einen für rote Zwiebeln entschieden, weil die viel hübscher aussehen, und zum anderen schneide ich die Zwiebeln immer in Scheiben. Achtel sind mir doch etwas zu rustikal. Die Zwiebelringe brät man in Öl (ich hatte Rapsöl, es sollte geschmacksneutral sein), bis sie leicht angeröstet sind. Majoranblättchen – entweder frische fein gehackt oder getrocknete – großzügig drüber streuen und mit Salz und Zucker würzen. Wenn alles schön brät, werden die Zwiebeln mit 50 ml Weißwein (oder alternativ Apfelsaft) abgelöscht.

2 Äpfel – hier empfiehlt sich der Boskoop oder eine andere säuerlichere Sorte – sollen laut Rezept in Ringe geschnitten werden, das fand ich zu kompliziert. Ich habe keinen Entkerner, so dass es bei mir einfach dicke Apfelschnitze wurden. Aber mit Schale ist wichtig, das schmeckt besser und die Äpfel fallen beim Braten nicht so leicht auseinander. Für die Äpfel erhitzt man etwas Öl mit etwas Butter in einer Pfanne und brät die Apfelstücke darin schön braun. Dazu kommt 1/2 Bund gehackte Petersilie. Bei mir darf das gerne ein ganzer sein, denn ich liebe Petersilie.

ABER NUR DIE GLATTE, DAVEDNB – KLAR?!
Doch nicht dieser 80-Jahre-Deko-Driss …. *gnarf*

petersilie

Wenn dann alles schön bruzzelt und schmurgelt, werden auch die Äpfel mit ca. 50 ml Apfelsaft abgelöscht, gewürzt wird mit Salz und Pfeffer.

Für den Kartoffelstampf werden nun im Rezept 150 ml Milch, 100 ml Sahne und 40 gr Butter mit frisch geriebener Muskatnuss aufgekocht, die Kartoffeln mit einem Stampfer zerdrückt und das ganze mit soviel Milch-Sahne-Gemisch verrührt, dass es eine schön stückig-cremige Konsistenz bekommt.

Ich mach das immer ein wenig anders. Sobald ich die Kartoffeln zerkleinert habe – das mache ich mal mit dem Stampfer, wenn ich es grober möchte, und mal mit der Presse, wenn ich es fluffiger mag – werfe ich viele kleine Butterstücke in den Topf mit den Kartoffeln. Viele! Das ist nicht schlimm, denn dafür lasse ich die Sahne weg. Während ich alles gut verrühre, erhitze ich eine Tasse Milch in der Mikrowelle. Eine Tasse Milch heiß zu machen ist einer der ganz wenigen Use-Cases (‚tschuldigung!), für die ich eine Mikrowelle benutze und auch brauche. Da brennt nix an und kocht auch (meistens) nichts über. Und es geht fix. In einer Tasse. Der Rest ist wieder wie im Rezept beschrieben: Milch über die Kartoffeln kippen und nach Belieben feiner oder grober stampfen.

Ach ja, der Herr des Hauses brät nebenbei noch für jeden  eine grobe Bratwurst. Die sind dann auch fertig, sobald man den Kartoffelstampf und das Zwiebel-Apfel-Gemisch adrett auf einem Teller serviert und zumindest in meinem Fall großzügig mit der anderen Hälfte des Petersilienbunds bestreut hat.

Viel schöner wäre es noch mit glatter!

himmelääd

 

====
Hier könnt ihr diesen Beitrag in anderen sozialen Netzwerke teilen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.