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Wandern auf Mallorca

Klar war, dass wir auf Mallorca wandern wollten und auch klar war, dass wir uns vorher einen Wanderführer kaufen würden, in unserem Fall den Rother Wanderführer für Mallorca. Nicht klar war, dass die Beschreibungen darin nicht immer ganz mit der Realität zusammenpassten. Zumindest nicht mit meiner. Daher gibt es hier nun meine Version der verschiedenen Wanderungen, die wir bisher gemacht haben.

Die schwarzen Wanderungen ließen wir dabei direkt aus, die roten wurden auch noch sehr kritisch analysiert. Noch gut erinnere ich mich an den “sportlichen Spaziergang” im Piemont, der mich fast zum Kollabieren brachte und wo mich nur die große Portion Pasta und gekühltes Wasser oben auf dem Berg wieder zum Leben erwecken konnten.

Tour 1: Rundweg Cala en Gossalba (Nr. 50)
Laut Wanderführer handelt es sich hier um eine rote Tour von 1.50 Stunden. Die Anforderungen klangen machbar, einzige Herausforderung war eine kleine Steilstufe, die man hochklettern muss. Das klappte zunächst auch richtig gut, nachdem wir den Einstiegspunkt (km-Stein 14,9 auf der MA2210 zum Cap Formentor) gefunden hatten. Noch ging es auch nur einen kleinen Trampelpfad bzw. durch ein ausgetrocknetes Bachbett im Schatten bergab und die genannten Steinmännchen, die uns den Weg weisen sollten, waren auch weitgehend gut zu finden. In der traumhaften Cala en Gossalba machten wir eine kleine Pause und genossen Meer und Aussicht. Hatte ich eigentlich schon erwähnt, wie unglaublich blau das Meer hier ist?
Laut Reiseführer endet nach der Bucht der ausgebaute Pfad. Ausgebaut? Während es sich nach meiner Einschätzung zunächst um einen Trampelpfad handelte, war ab der Bucht ein Weg nicht mehr zu erkennen. So war es letztendlich auch nicht die avisierte Kletterstrecke, die uns zum Umkehren zwang, sondern die Tatsache, dass wir mitten in den Felsen irgendwann komplett den Weg verloren hatten.

Da half auch der Satz im Wanderführer nichts: “Die Orientierung ist nun einfach.”

Tour 2: Klosterberg Puig de Maria (Nr. 46)
Eine blaue Tour von ca. 1.40 Stunden, die in Pollença begann und bei der kaum Gefahr bestand, dass wir uns verlaufen sollten. Aber Scheiße, war das steil! Kennt ihr das Gefühl, an einem Berg zu stehen und plötzlich zu glauben, ihr kippt jeden Moment rückwärts um? Blöderweise ist @davednb ja der Meinung, solange ich mich noch beschweren kann, habe ich auch noch genügend Energie zum Laufen. Hmpf. Immerhin sagte auch der Wanderführer, dass der steile Aufstieg trotz Kürze der Tour auf teils ruppigem Pflasterweg nicht unterschätzt werden sollte.

Was mich übrigens beim Wandern jedesmal völlig fertig macht ist die Tatsache, dass ich einen solchen unebenen Weg mit Trailschuhen laufe und oben völlig fertig und verschwitzt ankomme, während mir Schnittchen in Minirock mit FlipFlops leichtfüßig entgegen tänzeln. Ok, runter ist leichter. ABER VERDAMMTE HACKE, WIE KOMMEN DIE DENN DA SO HOCH????

Nicht wirklich als Weg erkennbar war die Strecke zwischen Mirador und Kloster, gelaufen sind wir sie trotzdem.

Diese Tour haben wir geschafft, wenn auch mit viel Jammern und Quengeln meinerseits. Aber oben gab es Eis. Und grandiose Aussicht.

Tour 3: Über die Halbinsel Alcúdia (Nr. 51)
Ausgangspunkt dieser laut Wanderführer roten Tour von etwa 4.40 Stunden mit kräftigem Aufstieg und teilweise erforderlicher Trittsicherheit ist die Ermita de la Victòria. Mehr kann ich dann auch schon nicht mehr sagen zu dieser Tour, da auf dem Weg dahin mitten auf einer dieser schmalen Serpentinenstraße und natürlich gerade in einer Kurve ein vor uns fahrender Bus einen Motorschaden hatte. Dann eben ein anderes Mal vielleicht.

Tour 4: Vall de Bóquer (Nr. 47)
Laut Wanderführer eine leichte Tour von ca. 2 Stunden auf Schotterwegen und steinigen Pfaden mit wenig Schatten. Das passt so. Insgesamt eine eher unspektakuläre Tour durch karges Gestein, tat trotzdem mal gut. Zur Cala Bóquer ging es dann doch etwas steiler bergab (und nachher natürlich wieder bergauf). Schade nur, dass die Bucht tatsächlich ziemlich vollgemüllt ist. Zum Verweilen lädt sie nicht so richtig ein.

Tour 5: Castell del Rei (Nr. 48)
Für diese Tour ist eine Genehmigung erforderlich, da sie auf privatem Gelände verläuft und nur maximal 20 Personen pro Tag erlaubt sind. Die Genehmigung muss man im Tourismusbüro beantragen, in der Regel bekommt man sie nicht für den gleichen Tag, sondern muss sie später abholen, weil die wenigen Plätze immer ausgebucht sind. Bei uns waren es vier Tage. Warum wir zum Abholen der Genehmigung extra nochmal zur Touriinfo mussten, anstatt dass man sie uns direkt austeilt, hat sich mir allerdings nicht ganz erschlossen.

Die Tour begann praktisch direkt vor unserer Haustür, so dass wir uns ums Parken schon mal keine Gedanken machen mussten. Verlaufen kann man sich praktisch gar nicht, es gibt nur einen Weg. Schade nur, dass sowohl das letzte Stück zum Kastell hinauf als auch zur Bucht hinunter nicht zugänglich waren. Dadurch war es das, was der Wanderführer geschrieben hatte: eine leichte Wanderung auf durchgängig breitem Wirtschaftsweg. Aber trotzdem sehr schön! Man bekam sofort das Gefühl, ganz allein unterwegs zu sein, was aber dann doch nicht ganz stimmte. Als ich beim Anblick des Meeres aus einer Laune* heraus “Über dem Horizont geht’s weiter …” anstimmte und @davednb mit Baritonstimme “düdüdüdüüüdüdüdüdüdü …” ergänzte, sahen wir plötzlich versteckt im schattigen Gebüsch und mit gut gefüllten Tupperdosen bewaffnet die restlichen genehmigten Wanderer – vermutlich für alle Beteiligten eine skurrile Begegnung :-)

Ach ja, ein paar Geier haben auf dieser Tour wir auch noch gesehen, ein sehr spektakulärer Anblick.

Als nächste Tour ist ein Ausflug zum Torrent de Pareis geplant, natürlich die leichte Variante (Nr. 38). Aber erst, wenn wir vom Rumhängen hier oben in unserem jetzigen Feriendomizil genug haben.

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* Wir unterhielten uns gerade über die auf Twitter diskutierten Orga-Pannen beim Konzert von Udo Lindenberg.

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