Reisen
Schreibe einen Kommentar

Skiurlaub in Lermoos

Für dieses Jahr hatten @davednb und ich den Entschluss gefasst, dass wir beide richtig Ski fahren lernen. Wollen. Allerdings getrennt, da unser Niveau bisher doch noch zu unterschiedlich ist. Während sich @davednb letztes Jahr 2 Tage auf dem Idiotenhügel getummelt hatte, musste ich feststellen, dass ich zwar irgendwie die Berge runter komme, aber ohne allzu viel Technik und damit ohne jeglichen Stil und ohne wirkliche Gewalt über meine Skier zu haben. Es gab also für beide noch einiges zu tun.

Während sich mein 2-tägiger Skikurs im letzten Jahr darauf reduzierte, dass ich unter Aufsicht den Hausberg runter bretterte, wollte ich dieses Jahr wirklich etwas lernen, um auch echte Fortschritte zu machen. Also wurden gleich mal 4 Tage Skischule mit der Option auf Verlängerung gebucht. Und schon am 1. Tag merkte ich, dass dieser Skikurs herausfordernder würde als der letzte. Zunächst wurde differenziert zwischen Anfänger = “praktisch noch nie auf Skiern gestanden” und dem Rest. Statt zu fragen, wie gut man Ski fahren kann (ha, erzählen kann ich viel), musste jeder Skischüler vor der gesamten Skilehrermannschaft (natürlich inklusive der coolen jungen Kerle, danach bekam ich die leider nicht mehr zu Gesicht) einen kleinen Berg runter wedeln, danach wurde schonungslos eingeteilt. @davednb kam in die Anfängergruppe, ich in die Gruppe “2achnajavielleichtdoch3”. Mit dabei war noch eine Holländerin, zwei befreundete Irinnen, ein schon älterer Ire, der seit 20 Jahren jedes Jahr einen Skikurs in Lermoos macht, und ein Deutscher, der allerdings nur deswegen in Gruppe 3 gelandet war, weil der Schnee zu matschig, die Piste zu vereist, jemand vor ihm hingefallen, heute nicht sein Tag …. (beliebig fortzusetzen) war. Und ich. Und der Skilehrer.

Im Gegensatz zum letzten Kurs, wo es wenig echte Hilfestellung gab (“So ist es falsch!”), hatte unser Skilehrer permanent die gesamte Gruppe gut im Blick und sparte keineswegs mit Kritik. Fehler wurden umgehend korrigiert und mit umfangreichen Hinweisen versehen, wie man es richtig macht. Am Ende des 1. Tages wusste daher wirklich jeder, was er falsch macht und wie es richtig geht.

In der Theorie zumindest.

Mit Lob war unser Skilehrer eher sparsam. Am 1. Tag blieb es praktisch aus, da gab es wohl einfach nichts zu loben. Als er am 2. Tag – es war so etwa am spätem Nachmittag – meinte, die Abfahrt wäre wunderbar gewesen, schauten wir uns irritiert an und eine der Irinnen fragte vorsichtig: “Was it a compliment?” Ganz offensichtlich machten wir Fortschritte!

Die Fortschritte konnte man aber auch daran erkennen, dass wir schon am 2. Tag auf 1900 m hoch fuhren und am 3. auf über 2000 m. Interessanterweise dachte ich bei allen Strecken nie daran, dass es mir zu steil ist, egal wie hoch wir fuhren. Die Art, wie in dieser Skischule das Ski fahren beigebracht wird, hat bei mir das Gefühl erzeugt, dass ich grundsätzlich jeden Berg meistern kann – ggf. einfach langsamer und mit größeren Kurven. Das hat zumindest mir schon deutlich die Angst genommen. Dennoch musste ich mir mindestens 2 Mal anhören, ich sei ein Angsthase, weil ich eben doch manchmal zu langsam fahre. Wie gesagt: Mit Kritik ist unser Skilehrer nicht geizig, er hat aber auch viel Humor und kann einem wirklich gute Tipps geben und ich habe einiges gelernt. Und nicht nur beim Ski fahren!

Mittlerweile kann ich den Satz “Lass es laufen” auf englisch und auf holländisch sagen. Ich kenne “muggeligen” Schnee. Ich war auf über 2000 Höhenmetern und bin sie auch wieder mit Anstand und auf Skiern runter gekommen. Ich verstehe jetzt, warum meine Rechtskurven besser sind als meine Linkskurven und dass man beim Ski fahren nicht zu viel Nachdenken sollte, ohne klappt es deutlich besser. Ich habe festgestellt, dass meine Hüften mehr Beweglichkeit gut vertragen würden (doch der LindyHop-Tanzkurs …?) und dass man mit der richtigen Technik eigentlich jede Piste bezwingen kann. Ich habe verstanden, dass es beim Ski fahren dazu gehört, 5 Tage lang die gleichen Klamotten zu tragen. Mein Überlegung, mir ein Paar Zweitsocken anzuschaffen, brachte mir den freundlichen Kommentar ein, ich sei eine verwöhnte Prinzessin. Ich war auf Pisten unterwegs, auf denen es statt doofer Schlepplifte (denen ich meine peinlichsten Skierlebnis zu verdanken habe) Gondeln mit beheizten Bänken (yeah – Prinzessin!) gibt. Und ich weiß jetzt, dass Ski fahren ganz großen Spaß macht, wenn man erst einmal in diesen Flow beim Fahren reingekommen ist, gerade auf so langen Pisten.

Und ich weiß auch, dass ich davon nach zwei Tagen fiesen Muskelkater in den Waden bekomme, der sich am 3. Tag auf die Oberschenkel ausweitet und ganz offensichtlich nach oben wandert. Ich kann mir also jetzt schon denken, was mir morgen weh tun wird …

Heute am 3. Tag begrüßte mich mein Skilehrer nachmittags mit den Worten, dass ich den Nachmittag mit ihm allein unterwegs sein würde. Mein 1. Gedanke bei dieser Aussicht:

” ….!!!!1!111! *SCHLUCK*”

Es war natürlich furchtbar – 2 Stunden geballte Kritik nur für mich! Und es war natürlich toll – 2 Stunden Einzelunterricht, in denen ich noch einmal einiges gelernt habe! Jetzt bin ich aber trotzdem ganz froh, wenn morgen die Gruppe wieder zusammen ist :-)

====
Hier könnt ihr diesen Beitrag in anderen sozialen Netzwerke teilen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.