Kölsches
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Familienbesuch in einer Kleinstadt

Heute war Familientag angesagt, ein Besuch bei meiner Lieblingstante. Meine Tante wohnt in einer etwa eine Stunde von Köln entfernten Kleinstadt. Im gleichen Haus wohnt auch ein bekannter Fussballspieler. Meine Tante ist in ihrer Heimatstadt bekannt wie ein bunter Hund und (zumindest dort) schon deutlich länger bekannt als ihr Nachbar. Da man meiner Tante nicht so leicht entkommen kann, schon gar nicht, wenn man im gleichen Haus wohnt, hat sie natürlich längst auch mit diesem Nachbarn Bekanntschaft geschlossen. Da werden gegenseitig Tennisschläger ausgeliehen, Autogrammkarten verteilt oder einfach nur ein Schwätzchen im Treppenhaus gehalten. Ab und zu kommt der Fussballer auch auf eine Tasse Kaffee vorbei, z. B. weil er sich versehentlich aus seiner Wohnung ausgeschlossen hat.

Letzteres passierte, als mein kleiner Neffe mal für ein paar Tage bei meiner Tante zu Besuch war. Der bekam natürlich große Augen beim Anblick des unerwarteten Gastes und nutzte die Gelegenheit, diesem kurzerhand sein Freundebuch in die Hand zu drücken.

Die Nachbarschaft mit dem Fussballer treibt zuweilen auch skurrile Blüten. Als ich bei meinem letzten Besuch zwischendurch etwas aus dem (geliehenen) Auto holen wollte, sah ich beim Verlassen des Hauses einen älteren Mann und seine Frau direkt neben der Fahrertür stehen. Beide starrten sehr konzentriert in den Fussraum des Wagens – ein ungewöhnlicher Anblick, weshalb ich auch höflich fragte:

„Kann ich irgendwie helfen?“

Erschrocken drehten sich die beiden zu mir um und drucksten verlegen herum. Der Mann so:

„Ein schönes Auto.“

Die Frau wiederholte:

„Wirklich ein sehr schönes Auto.“

Macht ihr Witze? Das ist ein hundsgewöhnlicher Ford Fiesta in langweiligem hellblau-metallic.

„Nun ja, ein Ford Fiesta eben.“

Beide zusammen:

„Sehr schön, dieses Auto.

Sie liefen um das Auto herum, um noch von hinten den Kofferraum zu begutachten. Der Mann nickte mit dem Kopf Richtung Kennzeichen und schaute mich fragend an. Ich so:

”???”

Der Mann so:

„Aus Köln?“

Ich so:

„Jaha?“

Mensch, du bist ja ein Fuchs! Der Mann so:

„Zu XX?“

Aha, daher wehte der Wind. Ich so:

„Nein, ich besuche meine Tante.“

Der Mann so:

„Ach so. Wir dachten nur, weil Sie aus Köln kommen.“

Selber gesehen habe ich den Nachbarn bisher noch nie. Als ich mich heute Abend von meiner Tante im Hausflur verabschiedete, lief er mir aber doch noch über den Weg und wir wechselten ein paar freundliche Worte. Leider hatte ich kein Freundebuch dabei.

Aber immerhin die richtige Tüte :-)

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