Kölsches
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Boßeln im Grüngürtel

Jedes Jahr an Pfingsten geht es zum Boßeln in den Grüngürtel.

Boßeln (in einigen Regionen mit dem Begriff Klootschießen bezeichnet, auch wenn sich diese beiden verschiedenen Sportarten nur teilweise überschneiden) ist eine Sportart, die in unterschiedlichen Formen in verschiedenen Teilen Europas gespielt wird. Ziel des Spiels ist es, eine Kugel mit möglichst wenigen Würfen über eine festgelegte Strecke zu werfen. Boßeln wird in unterschiedlichen Varianten auf freien Flächen (Felder, Wiesen), öffentlichen Straßen und befestigten Wegen gespielt. Ursprünglich ist Boßeln eine Mannschaftssportart. (via Wikipedia)

Wusste ich bis vor einem Jahr selber noch nicht, was Boßeln eigentlich ist, war ich schon beim 1. Mal total davon begeistert. Geboßelt wird wohl grundsätzlich bei jedem Wetter, auch schon mal bei Schnee, aber bisher hatte ich selber immer Glück und es blieb auch dieses Jahr trocken. Allerdings gab es durch den vorhergegangenen Regenguss durchaus das eine oder andere Hindernis zu überwinden:

Hindernisse zu überwinden scheint der eigentliche Sinn des Spiels zu sein: Die Boßelkugel landet nicht unbedingt immer da, wo man sie gerne hätte, sondern gerne auch mal in in undurchdringlichem Gebüsch oder sie prallt gegen ein Hindernis und verabschiedet sich schwungvoll in die entgegengesetzte Richtung. Auf Radfahrer, Spaziergänger und herumstreunende Hunde muss natürlich gut aufgepasst werden, die dürfen nicht getroffen werden. Manchmal lässt sich allerdings auch das nicht vermeidet …. Genauso kann es vorkommen, dass eine eigentlich gut platzierte Kugel von einer gegnerischen Mannschaft (versehentlich natürlich …) getroffen und damit an eine deutlich schlechtere Stelle katapultiert wird. Es empfiehlt sich unbedingt, bei der Wahl der Teammitspieler und der Spielreihenfolge gut aufzupassen und sich hinter einem Mitspieler einzureihen, der die Kugel nicht regelmäßig in die Brennnesseln wirft (gilt insbesondere bei höheren Temperaturen und kürzeren Klamotten). Diese leidvolle Erfahrung machte einer der Mitspieler, dessen Freundin ihre Kugel sehr regelmäßig mitten in die Brennnesseln platzierte.

Die Spielstrecke verläuft querfeldein durch den Grüngürtel. Da liegt z. B. der Militärring auf dem Weg und es kann schon mal vorkommen, dass ein freundlicher Autofahrer für eine – wie er meint – kleine Gruppe Spaziergänger anhält und plötzlich eine ganze Horde Leute aus dem Gebüsch hervorkommt und johlend mit Bollerwagen im Schlepptau einer Boßelkugel hinterher jagt. Auch die Gleise der Linie 7 müssen von allen vier Teams – inkl. Kugeln – überwunden werden, eine der größten Schwierigkeiten aufgrund des Bahngrabens und der zahlreichen Brennnesseln darin.

Das stellt einen mit einem sperrigen Bollerwagen vor ganz unbekannte Herausforderungen.

Und überhaupt der Bollerwagen: Das alte klassische Modell wurde dieses Jahr durch eine deutlich größere Eigenkonstruktion im Status eines Prototypen ersetzt. Der neue Wagen ist sehr durchdacht und bietet deutlich mehr Platz und Komfort, da er isoliert ist, um das darin befindliche Kölsch zu kühlen. An der Aussenseite ist eine leere Getränkekiste zum einfachen Transport des Leerguts befestigt. Das Modell ist durchaus schon recht ausgefeilt. Dennoch wurden während des Einsatzes bereits weitere Optimierungsmöglichkeiten diskutiert, bspw. ein fest montierter Flaschenöffner, der unbedingt noch erforderlich ist. Bestimmt werden all die guten Vorschläge bis zum nächsten Jahr umgesetzt :-)

Der Prototyp brachte allerdings auch ungeahnte Probleme mit sich, bspw. eine Reifenpanne auf halber Strecke.

Später löste sich das Hinterrad komplett. Mit Kreativität und einem mitgebrachten Akkuschrauber wurden all diese Probleme aber schnell gelöst.

Nach etwa 6 Stunden und knapp 5 km erreichten alle vier Gruppen das Geißbockheim, wo die Tour beendet wurde. Und entgegen aller Erwartungen wurde mein Team sogar Zweiter :-)

Ach, noch etwas: Es spielt eigentlich gar keine Rolle, ob man wirklich gut boßeln kann, der Spaßfaktor ist auch bei Anfängern definitiv gegeben. Tradition ist es aber offensichtlich, dass mindestens einmal eine Kugel aus dem Decksteiner Weiher gefischt werden muss.

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